Es war soweit, nach all den Jahren des Widerstands brach endlich die letzte Bastion des Boykotts und Debbie und ich sahen Marvel’s “The First Avenger: Civil War”. Seit mehr als zwei Jahren haben wir  diesen Kelch erfolgreich an uns vorübergehen lassen. Andere MCU (Marvel Cinemtaic Universe) Streifen sahen wir zwar, aber ok: sind halt Kollateralschäden und weitgehend auch unterhaltsam. Doch mit diesem Teil ist es anders, ich finde ihn einfach nur abartig schlecht.

Green-Shemagh und die Comics

Versteht mich nicht falsch, ich liebe Comics! Schon als Kind hat es angefangen, dass ich einen ansehnlichen Stapel von Comichefte besaß und ich beinahe alles verschlungen habe, was mir da in die Finger kam. Auch wenn es nur das “Reinlesen” am Zeitschriftenstand war 😀 Und wer kennt die Samstagmorgens Cartoons noch, die auf Pro7, Kabel1 und Sat1 liefen? Das war die einzige Motivation früher, warum mein Bruder und ich schon sehr früh auf den Beinen waren. Nein, Comics und ich, das hat eine lange und innige Verbindung. Sie halfen mir durch die weniger schöne Schulzeit und entwickelten meine Kreativität dahin, wo sie nun ist. Als Teenager waren sie für mich mehr als “nur Bilderhefte”, da sie nicht nur charakterlichen Tiefgang besitzen, sondern sich auch mit philosophischen Fragen auseinandersetzen.

Die Comicverfilmungen

Und schließlich freute ich mich auch sehr, als die “erste” Verfilmung von den X-Men und Spiderman auftauchte (Toby Maguire, du bleibst mein Leinwand-Peter Parker!). Und noch mehr, als dann andere Filme von Daredevil, dem Hulk, Punisher etc kamen. Gut, nicht alle waren auch wirklich gut (ich schaue auf dich Catwoman und Elektra!) aber hey, es waren die ersten Filme. Die Meisterwerke sind bis dato Watchmen und die Dark Knight Trilogie. Doch dann kam Disney und hatte viel vor.

Watchmen Plakat

Wer ist gut, wer ist böse? Aber noch viel wichtiger ist die Frage: Wer überwacht die Wächter?

Die ersten Filme von Iron Man und Co waren cool. Man merkte, dass da mehr Story dahinter war und sie in den Fortsetzungen weiter behandelt wird. Auch, dass sich da so eine Gruppe anbahnt, die sich die “Avengers” nennen würde. Die ganzen beiläufigen Anmerkungen und Details, die mir als Comicleser auffielen, waren immer das Highlight der Filme. So war ich auch vom ersten “Avenger” Film positiv beeindruckt. Die Story hatte hier erst begonnen, die Charaktere müssen zueinander finden und es gab eine große Schlägerei in New York. Ich kann mich da irren, aber glaube, dass es auch die bis dahin größte Schlacht aller Comicverfilmungen war. Ja, doch: “Avengers 1” waren mal was Neues. Zwar erschienen da schon in verdächtiger Fließbandarbeit ständig neue Filme, aber ok, man will ja was Großes erschaffen. Dieses “Große” erhielt aber dann mit “Age of Ultron” einen… ich nenne es mal Dämpfer. Ja, fette Kämpfe und noch fettere CGI mit coolen Sprüchen. Könnte cool sein, aber Ultron und der Plot waren ein bisschen lahm. War aber nicht so schlimm, dachte ich mir. Es könnte ja daran liegen, dass der nächste dafür umso besser wird. Und als ich den Titel las, hatte ich wirklich leuchtende Augen. Wie hart ich dabei dann schließlich enttäuscht wurde, hätte ich echt nicht gedacht.

Der Civil War

Ich meine, hey! Der Civil War ist eines DER großen Events im Marveluniversum. Wo sonst treffen so viele Figuren aufeinander? Im Endeffekt ist das ein Who is Who von Marvel. Emma Frost und die X-Men, Cable, der Punisher, die Avengers, Dr. Strange, die Fantastischen Vier, Antman & Wasp, Spiderman, Namor, etc in einer Storyline! Und mal abgesehen von den Kämpfen besitzt die Story so viel Tiefgang und Stoff für Debatten.

Der Höhepunkt von Marvels "Civil War"

Der „Civil War“ in den Comics…

Das Original

Für alle, die Story nicht kennen, werde ich sie kurz umreißen: Den Auftakt macht eine junge und unbekannte Superheldengruppe, die in einer Reality TV Show mitspielt. Als sie ein Safehouse von bekannten Bösewichten angreifen, eskaliert die Situation und ein ganzes Wohnviertel fliegt in die Luft. Etwa 900 Menschen verlieren dabei das Leben. Dadurch formiert sich eine Protestbewegung gegen die Superhelden, einige werden sogar tätlich von denen angegriffen, die sie zu schützen geschworen hatten. Auch die Regierung schaltet sich ein und will den Registration Act verabschieden. Dieses Gesetz besagt, dass jeder Superheld seine Identität preisgeben muss und von nun an als Regierungsbeamter arbeiten soll. Keine privaten Rächer mehr, sondern alles staatlich geregelt. Jeder, der sich dem Gesetz nicht beugt, wird als Krimineller eingestuft und gejagt. Um Captain America versammeln sich schließlich die Gegner des Acts, während Iron Man die Befürworter führt. Im Laufe der Geschichte kommt es dabei zu Verrat, Täuschung und zerbrochenen Beziehungen und Freundschaften. Das Ende oder zu viele Details möchte ich nicht spoilern (vielleicht will der ein oder andere die Comics noch lesen), nur soviel: Es wird immer hässlicher.

Der Punisher und Spidey in Marvels "Civil War"

… der auch hier seine Opfer fordert

Der Film oder “Captain America, his friends and this dude from Wakanda”

Und was davon findet sich im Film wieder? Im Grunde nichts. Ja, es gibt da so eine Verordnung, dass sich die “Avengers” einer (diesmal globalen) Kontrolle unterordnen. Dann wird noch die UNO Versammlung in Wien mit einer Bombe angegriffen und jeder macht Jagd auf Bucky Barnes. Ok. Irgendwann ist das dann auch nicht mehr wichtig, denn ein Bösewicht tritt auf und “Team Cap” sucht den wahren Schuldigen. Und nachdem sich alle krankenhausreif geprügelt haben und die Hälfte (temporär) im Untersee-Hochsicherheitsgefängnis sitzt, sind Stark und Rogers wieder cool miteinander. Haudrauf-Buddy Movie mit Happy End.

 

Are you freaking kiddin’ me?!

Der Film hatte aus meiner Perspektive nur ein Highlight: Das Auftauchen von Crossbones ganz am Anfang. Da dachte ich noch “cool, das ist Crossbones und hoffentlich wird er noch wichtig”. Und das war das, wo ich wohl falsch lag. Die restlichen Minuten bis zum Abspann war eine (für mich) sinnlose Aneinanderreihung von Psuedoargumenten und Pseudohandlungen. Einen tieferen Sinn hatte die Civil War-Verfilmung nicht, aber hey: dafür eine Menge Effekte! Und nicht zu vergessen eine attraktive Tante May, was mir noch sauerer Aufstieß als gedacht.

Crossbones von "The Fist Avenger: Civil War"

Ladies and Gentlemen: Crossbones

Der “Kampf” am Flughafen war eher lachhaft und verdient die Bezeichnung “Civil War” nicht. “Schulhofprügelei” wäre treffender. Das dämliche Auftreten und die dummen Sprüche erinnerten mich wirklich an Teenager, die sich wegen einer Nichtigkeit in die Haare kriegen. Der so stark gepriesene “Krieg” blieb aus. Im Ernst, der Hauptkampf war nichts Spektakuläres. Ja, diesmal kämpfte ein Team mit herbeigerufenen Buddies gegeneinander, aber wo bleibt der Haken dabei? Warmachine ist jetzt gelähmt. Ist das aber wirklich ein “Civil War”? Ich denke eher nicht.

Der Kampf am Leipziger Flughafen in "The Fist Avenger: Civil War"

Der „Civil War“ im Film

Warum reden, wenn wir uns prügeln können?!

Wo war denn die Aufarbeitung der Frage, warum es gut oder schlecht wäre, wenn die (Welt-)Regierung die Avengers leitet? Achja richtig, hat man in zwei(!) ganzen Sätzen erklärt. Das muss genügen, um mehr Screentime für Action und dumme Sprüche zu lassen. Dann noch das Ding mit dem Mord von Tonys Vater und die Einführung von Black Panther überluden den Film dermaßen, dass damit eigentlich alles gesagt ist. Daniel Brühls Rolle will ich nicht weiter kommentieren. Die hätte man gleich streichen können.

Dr. Strange im "Civil War"

Dr. Strange bringt es auf den Punkt!

Und im Grunde geht es bei  dem original “Civil War” genau um das. Keiner von beiden Lagern pachtet das Recht nur für sich. Beide Parteien haben Recht und Unrecht, doch treibt es sie immer weiter auseinander und aus ehemaligen Partnern und Freunden werden Feinde. Dabei liegt aber der Fokus weniger auf den Kämpfen mit anderen, sondern die Unsicherheit und das Zerwürfnis der Helden. Und das ist es, was die Geschichte doch spannend macht! Was interessieren mich zig Explosionen und kaltschnäuzige Einzeiler, wenn die Tragweite des ganzen Konflikts einfach weggetreten wird wie ein geschrumpfter Tanklaster? Wo ist die Auseinandersetzung, der Tiefgang und auch die Charakterentwicklung bitte zu sehen?

Der Held als Archetyp 

Denn das sind im Grunde die Kernelemente eines jeden Superhelden. Der Held an sich ist stets eine tragische Figur, meist am Rande der Selbstzerstörung oder des Zynismus. Meist sind die Superhelden entweder stark traumatisiert (z.B. Batman) oder gehören aufgrund ihrer Eigenarten zu den Außenseitern (X-Men, Spiderman). Sie sind sogenannte “Freaks” oder “Weirdos”, im schlimmsten Fall sogar Aliens (Superman), die sich unter uns “Normalos” verstecken müssen. Und dennoch, trotz ihrer Macht, trotz ihrer schlechten Erfahrungen, stehen sie jedes Mal auf und setzen sich für die Gemeinschaft ein. Und dann, wenn es in ihren eigenen Reihen zu einem Aufstand kommt, wird das einfach wie jede andere Auseinandersetzung geregelt? Ich denke eher nicht.

So individuell wie Schaufensterpuppen

Lässt man dies aber nun weg, hat man nichts anderes als eine leere Hülle. Ja, diese Hülle hat coole Kräfte oder Gimmicks. Und ja, diese Hülle kann dann auch lockere Sprüche loslassen. Aber was unterscheidet dann noch die “Avengers” von den “Expendables”? Beides sind im Grunde eine Gruppe von starken Individuen, die auf Action gepolt sind. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen ist dieser: Da die Protagonisten der Expendables sich, bzw. ihre früheren Kult-Rollen parodieren, sind sie komisch UND authentisch. Wenn jemand anderes als Arnie einen Terminator-Witz reißen würde, würde man es ihm nicht abkaufen. Wechselt man aber den Kino-Iron Man mit dem Kino Starlord aus, sind die Unterschiede nicht gerade groß. Beide sind coole Typen mit ihren Anzügen, die immer was zu melden haben. Das gleiche ist auch mit beinahe allen MCU Filmen. Die Charaktere sind austauschbar, weil gleich gestrickt.

Plakat von "The Fist Avenger: Civil War"

Schwer sich für eine Seite zu entscheiden, wenn doch keine Argumente geliefert werden…

Und dennoch bleibt die Frage: Warum weicht man die elementaren Kernpunkte auf? Die vorhin angeführte “Dark Knight” Trilogie von Nolan zeigt doch gut, wie komplex die Figur des Batman ist. Und wie hart es ist, wenn ständig aufs Neue die eigenen Grundsätze herausgefordert werden und man stets am Rande der Gesellschaft tätig ist. Bei den “Watchmen” das gleiche: Die Frage, was oder wer gut und böse ist, bleibt immer im Mittelpunkt. Als einzige Ausnahme ist “Deadpool” zu nennen. Der darf so chaotisch brutal sein, denn die Comics sind nicht besser 😀

Ganz “großes Kino” für Klein und Groß

Und vermutlich liegt genau darin meine große Enttäuschung über den Film oder auch die Filmreihe. Ja, ich verstehe, dass man nicht alles filmisch umsetzen oder sich nicht immer zu 100% an die Comics halten kann. Aber der Film wird seiner Werbung nicht gerecht und geht mit der eigentlichen Handlung so schlecht um, dass ich ab der Hälfte von “Civil War” wirklich keine Lust mehr hatte. Ich denke, dass das damit zusammenhängt, wenn man Comics massentauglich machen will. Denn nicht jeder will kaputte Charaktere sehen, lieber opfert man das und ergänzt die Leere mit einem Spruch über Schawarma essen. Oder es fliegt noch ein Gebäudeteil in die Luft. Hauptsache der Zuschauer hat keine großen Anforderungen und bekommt dafür einen cineastischen Effekt-Orgasmus. Als Zuschauer kommt man schließlich aus den Filmen heraus und kann sich noch tagelang über Sprüche oder coole Szenen unterhalten. Ja, das ist Popcornkino in ganz großem Stil.

Explosion in Wien in "The Fist Avenger: Civil War"

Und noch eine Explosion!

MCU? Nein, danke!

Außerdem verstehe ich nicht, warum Disney so viele Filme raushaut, den jetzigen “Infinity War” in zwei Teilen abfilmt, aber der “Civil War” mit knapp zweieinhalb Stunden auskommen muss. Allein, wenn man den Plot vernünftig vorbereiten wollte, bräuchte man EINEN ganzen Film. Dann noch mindestens einen zweiten für den Höhepunkt und, das Wichtigste, die aus dem Plot gezogenen Konsequenzen. Mir scheint es, als ob die Drehbuchautoren gar keine Lust hatten, sich mit der Thematik zu befassen. Eher kommt es mir so vor, als ob sie sich fünf Minuten vor Ende die Rahmenhandlung aus den Fingern zogen. Dazu in das MCU-typische Gewand stecken und den Schwindel bemerkt eh kein Schwein. 

Ich weiß eines mit Sicherheit: Die nächsten MCU-Filme werde ich mir nicht mehr anschauen. Lieber schnappe ich mir die Comics und setze mich auf die Couch. So bleiben die Hüllen nicht leer, sondern werden mit Ängsten, Zweifeln, Hoffnung und Charakter belebt. Und ja, auch diese Helden können coole Sprüche bringen und Spannung aufbauen! Wenn ich aber dann doch Lust auf platte Action habe, schaue ich mir die Actionfilme der 80er und 90er an. In diesem Sinne: Get to the chopper! 😀

Kategorien: Comics

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