Vampire waren mal cool. Damals, als es noch Geschöpfe der Nacht waren, die im Sonnenlicht verbrannten und sich vom warmen Blut der Lebenden ernährten. Als man sie noch mit dem Holzpflock oder Weihwasser jagte und einem in dunklen Gassen der kalte Schauer den Rücken hinablief, wenn die Fledermäuse tief flogen. Aber dann kam eine bestimmte Autorin, die den Vampiren brutalst die Zähne mit den bloßen Händen zog und weg war der Horror. Seitdem überschwemmen Kopien dieser Pseudo-Vampire die Popkultur und ich machte lange einen weeeeeiten Bogen um alles, was mit “V“ anfängt und auf “-ampir” endet 😀 Aber die Namen der Autoren von „American Vampire“ ließen mich aufhorchen: Scott Snyder und Stephen King.

Die Autoren und Zeichner

Scott Snyder ist nicht nur DC-Fans wegen den Detective Comics bekannt, sondern schrieb auch für Marvel u.a. ein paar Iron Man Geschichten. Und Stephen King, naja…. was soll man dazu noch großartig sagen? Seine Bücher wie Misery, der dunkle Turm, the Stand und viele weitere stehen für sich und gerade in Bezug auf Vampire ist natürlich auch “Brennen muss Salem” zu erwähnen. Und ja, fürs Protokoll: Ich mag viele seiner Bücher! 😀 Der Zeichner Rafael Albuquerque war auch für Marvel (Wolverine und Uncanny X-Force) sowie für DC (vor allem verschiedene Batman-Stories) tätig.

American Vampire Vampire

Wer hat denn kein Platz für diese netten Herren?

“American Vampire” ist eine Comicreihe, die 2010 bis 2013 bei Vertigo (DC) erschien. Es handelt sich hierbei um eine abgeschlossene Geschichte, die insgesamt aus 34 Ausgaben besteht. Ein weiterer Teil erschien unter dem Namen “American Vampire: Second Circle” als Nachfolger, sowie einige weitere Stand-Alone Comics aus dem Universum. Gelesen habe ich bisher “American Vampire” und den “Second Circle”. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass der Comic 2011 den Eisner Award und Harvey Award als beste neue Serie erhielt.

American Vampire: Die Story

Die Story des Comics bewegt sich auf verschiedenen Ebenen und ist kurz erzählt. Eine Hauptlinie beginnt 1925 in Los Angeles, bei der die junge Statistin Pearl Jones eines Abends in einen Vampir verwandelt wird. Gleichzeitig lernt man den Outlaw Skinner Sweet kennen, der zur Zeit des Wilden Westen verwandelt wurde. Beide Hauptstränge verlaufen über Jahrzehnte hinweg und tauchen immer wieder bei historischen Ereignisse auf. Dabei unterscheiden sich beide Stränge voneinander. Pearl verliebt sich in einen Sterblichen und es zeigen sich die Probleme dieser Beziehung. Skinner Sweet wiederum bleibt er selbst. Ich möchte hier wirklich nicht viel spoilern, deswegen sage ich nur Outlaw 😀

Die eigentliche Hauptfigur im Comic: Skinner Sweet

Skinner Sweet: Gesetzloser, Bandit, Untoter

Außerdem gibt es noch eine Nebenstory über einen Geheimbund, der die Vampire jagt oder sie zumindest größtenteils einschränkt. Mitglieder des Bundes tauchen immer wieder auf, es gibt ein paar Nebenstorys zu den Vampirjägern und er werden auch in den beiden Hauptstories eingebunden, die sich schließlich in einem gewaltigen Finale vereinen.

American Vampire Pazifik

Auch im Pazifik werden Vampire gejagt!

It’s evolution, baby!

Interessant ist der Comic vor allem deswegen, weil es verschiedene Arten von Vampiren gibt. Nicht nur vom Aussehen unterscheiden sie sich, sondern sie besitzen auch unterschiedliche Stärken und Schwächen. Sowohl Pearl als auch Skinner gehören der neuesten Evolution, dem “amerikanischen Vampir” an. Sie können, anders als beispielsweise die europäischen Arten, Sonnenlicht ertragen. Dafür sind sie besonders bei Vollmond geschwächt und können durch Gold aufgehalten werden.

Pearl ist nicht zu Scherzen zumute

Die Idee, dass Vampir nicht gleich Vampir ist, finde ich sehr erfrischend und mal etwas anderes als die eintönigen Standard-Langzähne. Wie sich die Arten entwickeln wird einfach mit “Evolution” beschrieben. Allerdings geschieht dies wohl nur dann, wenn ein Mensch in ein Vampir verwandelt wird, es also Blutkontakt gibt. Ich persönlich finde auch nicht, dass es unbedingt eine breitere oder pseudo-wissenschaftliche Erklärung braucht. Manchmal ist weniger auch mehr.

Die Zeichnungen

Die Strips von Rafael Albuquerque zeugen weniger von detailliertem Feinschliff, sondern wirken eher grob. Man kann zwar die Gebäude als solche erkennen, doch findet man wenig bis gar keine Risse, abblätternden Putz oder ähnliches. Besonders die Geschehnisse und Gegenstände im Hintergrund sind deutlich grober gezeichnet, was wohl einen Fokus des Betrachters auf die wichtigsten Punkte jedes einzelnen Strips lenken soll.

American Vampire: Las Vegas in den 1930ern

Las Vegas bei Dämmerung

Auch die Gesichter wirken meist grob gezeichnet und sind eher kantig. An manchen Stellen wirken daher einige Gesichtsausdrücke, besonders wutverzerrte, eher komisch als zur Stimmung passend. Albuquerque scheint auch viel mit Einzelstrichen zu arbeiten, sodass sein Stil ein wenig an Skizzen erinnert. Diese “Einzelstrichart” kommt vor allem bei den Schattierungen vor.

Auch bei American Vampire wirken die Gesichter teilweise grob gezimmert

Please let me intdroduce myself…

Die Farben sind grundsätzlich eher dunkel und unterstreichen damit die düstere Atmosphäre des Comics. Natürlich findet man auch helle Farben, die sind aber dann entweder in ihrer Intensität abgeschwächt, sodass sie heller als normal erscheinen. Oder sie sind so intensiv, dass sie bestimmte Details hervorheben. Das passiert unter anderem bei den Augen der Vampiren. Vor allem zu den Tageszeiten werden helle Gelbtöne verwendet, für die Nacht dunklere Farben wie lila oder dunkelblau. Auch die Haut scheint im fahlen Mondlicht leichenblass zu sein, während sie im Sonnenlicht natürlich erscheint.

American Vampire: Hat der Comic Biss?

Wenn man schon länger auf eine gute Vampirstory gewartet hat und die ewiggleichen Stereoytpen bis(s) zum Hirntod satt hat, sollte man durchaus mal einen Blick riskieren. “American Vampire” bietet eine originelle Rahmenhandlung(en), die sich durch die neue Geschichte Amerikas hindurch schlängelt und alles gut miteinander verbindet. Besonders die Rückblicke in den Wilden Westen fand ich echt gut (ich bin halt auch Westernfan :D). Große dramatische Wendungen tauchen ab und an auf, aber man merkt, dass sich doch irgendwas Großes gegen Ende zusammenbraut. Also um es kurz zu machen: “American Vampire” hat Biss. Und einmal zugebissen, lässt der Comic einen nicht so schnell los.

Kategorien: Comics

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